Heute haben wir das Haus von Frau Khatuna besucht. Sie bietet Kindern von der benachbarten Flüchtlingssiedlung und dem Dorf wo wir uns befinden Freizeitprogramme
und Sonntagsschule an. Das Gebäude ist heruntergekommen, die Scheiben mit Plastikfolie verklebt. Im unteren Stockwerk stellt Frau Khatuma ein Zimmer für Obdachlose zur Verfügung, das rege genutzt wird. In diesem kärglich ausgestatteten Raum versammeln wir uns, um Frau Kathuma näher kennenzulernen. Ein kleiner verrosteter Holzofen sorgt für etwas Wärme und eine Glühbirne erleuchtet die vergilbten Tapeten mit spärlichem Licht. "Ich habe diese Arbeit vor zwei Jahren begonnen", erzählt sie und lächelt. "Für diese Kinder würde ich alles geben", sagt sie und lächelt wieder. Die studierte Ärztin hat in Tiflis in einem Pflegeheim gearbeitet bevor sie vor zwei Jahren dieses Haus von ihren Eltern erben konnte und mit dieser Arbeit begann. Wir sind beeindruckt von ihrem Einsatz und sind sicher, dass sie ein riesiges Herz für diese Kinder hat.
Über uns hört man laute Musik, das Weihnachtsprogramm ist schon in vollem Gange. Mit türkischem Kaffe und georgischem Gebäck gestärkt, steigen wir die Treppe hoch. Die Kinder sitzen, knien und stehen alle in einem kleinen Raum und lauschen der Weihnachtsgeschichte.
Im Vorraum stapeln sich die Versandkartons mit Schweizer Postleitzahlen. Alles ist bereit für die Verteilung. Nach dem letzten Lied beginnt die Geschenke-Verteilung. Alle Kinder recken ihre Hände, drängeln nach vorne und rufen laut nach den Schuhkartons. Der Lautstärkenpegel steigt, bis unser Koordinator aus Georgien mit lauter und bestimmter Stimme etwas Ordnung in das Geschehen bringt.
Jetzt werden die ersten Päckchen aufgemacht. Bei manchen Kindern huscht ein leichtes Lächeln übers Gesicht, andere bleiben ernst. Wir fragen uns, was diese Kinder wohl erlebt haben und weshalb manche nicht mehr lachen können. Liegt es wohl daran, dass dieses Dorf im Krieg viermal von den Russen bombardiert wurde? Frau Khatuma sagt uns dann, dass diese Kinder vom Krieg traumatisiert seien. Der Krieg vor 2 Jahren hat nicht nur an den Gebäuden sondern auch an den Menschen tiefe Spuren hinterlassen. Auf dem Nachhauseweg ist es still in unserem kleinen Reisebus. Aus den kleinen Boxen plärren die Lieblingssongs unseres Fahrers: Modern Talking mit "Your my heart, your my soul" und "Tbilisi", ein georgischer Hit, der die Schönheit der Hauptstadt besingt. Hat dieses kleine, heruntergekommene Dorf auch eine Stimme? Ja, Frau Khatuma, die mit ihrem Einsatz Hoffnung und Liebe verbreitet, wo das Leben härter ist als anderswo und die Vergangenheit immer noch auf die Seele drückt.
Liebe Grüsse aus Georgien
Alex, Olga, Simone und J.D.
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