Sonntag, 16. Januar 2011

In den Bergen und in "Africa"

An unserem letzten Verteilerreisetag geht es in die Berge. Auf vereisten Schotterpisten geht die Fahrt relativ langsam voran. Schlaglöcher und Eisfelder verlangen von Fahrer und Material alles ab; übrigens auch von unseren Mägen. Durchgeschüttelt, aber erleichtert anzukommen, treffen wir in der Kleinstadt Tianeti ein. Dieser Ort verfügt mit 15 000 Einwohnern über ein grosses Kulturzentrum. Das Gebäude macht mit seinem rosa Anstrich und den vielen bunten Fensterzeichnungen einen fröhlichen und aufgeräumten Eindruck. Wir werden von der Direktorin des Kulturzentrums herzlich begrüsst. Maciek, unser internationaler Koordinator aus Polen, unterhält sich in Russisch mit der Direktorin über die bevorstehende Verteilung.
Die Kleinstadt leistet sich 3 Musik- und 3 Tanzlehrer, die insgesamt 150 Schüler unterrichten. Man merkt sofort, dass dieses Zentrum eine wichtige Rolle im Ort einnimmt.

Die örtliche Tanzgruppe führt einstudierte Tänze vor, es werden Lieder gesungen und Pantomimen vorgeführt. Das ganze Programm findet in eisiger Kälte statt. Für eine Heizung hat das Geld nicht gereicht. Diesmal haben wir die Verteilung so organisiert, dass die Kinder schon in Altersgruppen aufgeteilt in der Aula Platz nehmen. Die Kinder wurden von der örtlichen Schule ausgewählt und gehören alle zu sozial schwachen Familien. Ein paar wenige Kinder öffnen schüchtern ihren Schuhkarton, als ob sie Angst hätten, dass ihnen jemand etwas stehlen könnte. Nach kurzer Zeit ist der Saal wieder leer. Draussen vor dem Kulturzentrum beobachten wir, wie eine Gruppe von Kindern ihre Schuhkartons neugierig begutachten.

Nach einem gemeinsamen Essen mit dem Verteilerteam treten wir die lange Heimreise über kurvenreiche und schneebedeckte Strassen an. Auf unserem Programm stehen noch zwei kleinere Verteilungen  in der Hauptstadt: Ein Waisenhaus und eine Gruppe von Kindern aus dem Armenviertel, genannt "Africa". Als wir in die Einfahrt des Waisenhauses einbiegen macht sich Tristesse breit. Das Waisenhaus, das laut dem örtlichen Koordinator zu den besseren gehört, ist in einem denkbar schlechten Zustand. Die Fassade kommt herunter, die Scheiben sind verschmiert, kaputt oder fehlen ganz und die Farbe an den Wänden bröckelt stellenweise ab. Es warten etwa knapp 20 Waisenkinder im Alter von 7-14 Jahren auf abgewetzten Sofas auf unser Kommen. Merab, unser fleissiger Koordinator, macht eine kurze Einführung zur Verteilung, bevor die Päckchen an die Kinder abgegeben werden. Zwei Teenager-Mädchen freuen sich an zwei Handwärmern in Herzform und Schmuck für die Haare. Bei den anderen Kindern scheint die Freude eher verhalten zu sein. Die Stimmung bleibt trotz der vielen Geschenke gedämpft. Viele Kinder scheinen sich nicht mehr freuen zu können. Zu schwer scheint der Verlust der Eltern und den Umständen in denen sie leben müssen auf ihnen zu lasten.

Weiter geht`s zur letzten Verteilung im armen und heruntergekommenen Industrieviertel "Africa". Wir treffen dort in einem einfachen Haus eine Schar von Kindern jeglichen Alters. Wir laden die Kinder ein, auf mitgebrachtem Zeichnungspapier etwas zu malen. Die Kinder stürzen sich auf die Farbstifte und legen los. Innerhalb von kürzester Zeit entstehen kleine Kunstwerke, die die Kinder uns voller Stolz präsentieren. Die Stimmung ist heiter und von gegenseitigem Respekt geprägt. Nachdem Merab die Weihnachtsgeschichte erzählt hat, verteilen wir die Geschenke. Wir sehen freudige und strahlende Kindergesichter und machen uns anschliessend müde, aber erfüllt auf den Heimweg.

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